[divalent gestrebt, unendlich)

Und wo es sonst so hinführt.

»Ach, was ich weiß, kann jeder wissen - mein Herz habe ich allein.« - Die Leiden des jungen Werther - Am 9. Mai 1772

Impression. Impression. Impression.

Wege

Der schönste aller Wege ist der, den Du voll Überzeugung in Deinem Herzen trägst. Du kannst ihm nicht immer folgen, sonst würdest Du mitunter seine Schönheit verkennen; doch Du kannst ihn wissen, ganz tief, ganz beherbergt in einem Gedicht, das sich tief in Dir ein Zuhause geschaffen hat.

Von all den Träumen, die ich wohl hatte, die man unweigerlich hat, oder haben sollte, so man denn jung ist und Mensch, vor allem aber Mensch; denn man könnte auch alt sein und trotzdem ganz wunderbar träumen, auch wenn einem im Altsein meist noch anderes hält als die Hingabe zu Phantasmen;
von all den Träumen waren mir jene die lieben, die sich nicht im Konjunktiv erschließen ließen. Die nicht sagen »ich würde ja gerne«, sondern »ich werde« oder doch zumindest »ich will«. Denn der Konjunktiv, so wunderbar er für Denker ist, für Wortklaubereien und Weltrettungsdiskussionen, so unbrauchbar ist er für das einzelne, für das echte Leben. Weil er Hintertüren lässt, Platz für Unsicherheiten und Zweifel; kurzum: weil er schwach ist. Etwas, das in der Jugend noch seinen natürlichen Charme hat, ist in einem Leben fehlplatziert, das vorankommen will, das Ziele kennt, sich seine Schuhe anzieht, seinen Rucksack aufsetzt und aufbricht um irgendwann genau dorthin zu gelangen.
Solange wir uns aus der Unsicherheit heraus immer nur in vagen Möglichkeiten hin und her bewegen, werden wir zwar punktuell voran kommen, aber auch immer wieder zurückfallen, um dann später doch wieder fragend auf der gleichen Stelle zu stehen und uns verzweifelnd schüchterne Blicke zuzuwerfen.

Tatsächlich sind die Menschen mir die interessantesten, die lieber mit 180 gegen die nächste Wand fahren, als jene, die mutlos alle Möglichkeiten evaluieren und waglos bleiben. Das mag im ersten Moment sadistisch klingen, ist aber nur zu einem kleinen unleugbaren Teil in mir so gemeint. Menschen, die sich erlauben, auch mal Fehler zu machen, auf der großen Reise ihres Lebens auch mal neugierig unwissend den vermeintlich unglücklicheren Pfad einschlagen und dies voller Überzeugung tun, haben etwas in sich, von dem die ewig Unschlüssigen in ihrer Komfortzone maximal eine ferne Ahnung haben: Visionen.
So werden nicht die die Glücklichen sein, denen nie etwas zugestoßen ist, weil sie nie etwas gewagt haben, sondern die, die unwissend lachend in die wilden, tosenden Fluten sprangen. Ganz einfach weil auch zu wissen, was man nicht will, uns näher an das bringt, was wir wollen – zumindest doch wohl näher, als eben gar nichts zu wissen.